Kaufgröße vs. Schnittgröße: Warum Du beim Nähen plötzlich eine andere Zahl bist
Du misst brav Deine Maße aus, suchst ein schönes BH-Schnittmuster in Deiner gewohnten Größe und trotzdem passt es nicht.
Mal ist das Körbchen zu knapp, mal steht es ab, mal schnürt das Unterbrustband.
Was ist da los?
Die Antwort ist einfach und beruhigend, denn es gibt beim Dessous-Nähen kein universelles „75B“.
Es gibt nur Deine Maße und das passende System, das darauf abgestimmt ist.
Und genau darum geht es in diesem Artikel.
Keine Zeit für den ganzen Artikel? Das Wichtigste auf einen Blick:
- Deine Kaufgröße (z. B. 75B) ist kein verlässlicher Maßstab fürs Nähen
- BH-Schnittmuster arbeiten mit eigenen Maßtabellen
- Entscheidend sind Unterbrustumfang & Brustumfang, nicht die Zahl auf dem Etikett
- Unterschiedliche Hersteller = unterschiedliche Größensysteme
- Beim BH gibt es Kreuzgrößen, keine Zwischengrößen
- Das gleiche Körbchenvolumen kann mit verschiedenen Bandgrößen kombiniert werden
👉 Wenn Du verstehen willst, warum das so ist und wie Du damit entspannt umgehst, dann lies einfach weiter.
Inhaltsverzeichnis
Kaufgröße vs. Schnittgröße • wie stark weicht das beim BH wirklich ab?
Viele kennen das Thema schon von Kleidung. Bei selbstgenähter Kleidung trägt man oft zwei bis drei Größen „mehr“ als beim Einkauf im Laden.
Beim BH-Nähen ist es nicht ganz so extrem, aber auch nicht eindeutig.
Denn anders als bei Jeans oder T-Shirts gibt es bei Dessous keine einheitliche Größenlogik, die für alle Schnittmuster gilt.
Deine Kaufgröße (z. B. 75 B) basiert häufig auf:
- ungefähren Messungen
- Standardtabellen im Handel
- Beratung, die nicht immer präzise ist
Ein BH-Schnittmuster hingegen basiert auf:
- einem konkreten Maßsystem
- einer klaren Logik für Cup-Design und Bandlänge
- Tabellen, die für Deinen Körper gedacht sind und nicht für das Verkaufsregal
Fazit: Eine 75 B ist nicht gleich 75 B.
Selbst wenn auf dem Schnitt die gleiche Größe steht wie auf dem Kauf-BH, kann die Passform ganz anders sein.
Maßband statt Gefühl, so bestimmst Du Deine BH-Größe richtig
Damit Du Deine BH-Größe beim Nähen bestimmen kannst, brauchst Du genau zwei Maße:
- Deinen Unterbrustumfang
- Deinen Brustumfang
Daraus ergeben sich Band- und Cupgröße, je nach Maßsystem unterschiedlich.
Viele Schnittmusterhersteller nutzen eigene Tabellen, deshalb lohnt es sich, dort immer zuerst reinzuschauen, bevor Du zuschneidest.
💡 Eine ausführliche Anleitung zum Maßnehmen findest Du in meinem Blogartikel:
➡️ Massnehmen leicht gemacht
Und wenn Du Dir beim Umrechnen von EU-, UK- oder US-Größen unsicher bist:
➡️ Wie finde ich meine BH-Größe
Unterschiedliche Schnittmuster, unterschiedliche Logiken
Ein paar Beispiele:
- Sewy arbeitet mit europäischen Größen und einer eher klassischen Formgebung
- Orange Lingerie nutzt ein US-System, hier unterscheiden sich die US-Cupgrößen teils deutlich von den EU-Größen
- MakeBra setzt auf Formung mit Schaumstoff und bietet spezielle Anpassungen
- Merckwaerdigh hat körpernahe Schnitte mit wenig Bequemlichkeitszugabe
Der gleiche Körper kann also je nach Schnittmuster ganz unterschiedliche Größen brauchen und das ist völlig normal.
Wichtig: Nicht Du bist „schwierig zu nähen“, sondern die Größenlogik des Schnitts ist anders aufgebaut.
Kreuzgrößen statt Zwischengrößen, wie Du Körbchen und Band kombinieren kannst
Bei Kleidung spricht man oft von „Zwischengrößen“.
Beim BH-Nähen gibt es stattdessen ein durchdachtes System: die Kreuzgrößen.
Das bedeutet:
- Wenn Du eine Bandgröße kleiner gehst, brauchst Du eine Cupgröße größer, damit das Volumen gleich bleibt
- Wenn Du eine Bandgröße größer wählst, nimmst Du eine Cupgröße kleiner
Beispiel:
Ein 75B-Körbchen hat das gleiche Volumen wie ein 80A oder ein 70C.
Die Passform verändert sich nur im Unterbrustband – nicht im Körbchen selbst.
Das hilft z. B. dann, wenn:
- das Band gut sitzt, aber das Körbchen zu klein ist
- das Körbchen passt, aber das Band zu locker oder zu stramm wirkt
Viele Schnittmuster erlauben es, Körbchen und Bandgröße zu kombinieren, etwa ein 75 B-Körbchen mit einem 70er oder 80er Band.
Dazu muss lediglich die Ansatzlinie des Cups entsprechend angepasst werden.
💡 Bei geteilten Cups oder klaren Nahtführungen geht das besonders gut.
Was tun, wenn die Maße nicht in eine Größe passen?
Sehr viele Frauen haben beim BH-Messen das Problem:
Unterbrust = Größe A, Cup = Größe B.
Dann hilft:
- Orientierung an der Unterbrustweite und Anpassung des Cups
- eventuell ein anderer Schnittstil (z. B. Bralette, Full Cup, Plunge)
- oder der gezielte Einsatz von Kreuzgrößen
Wenn Du unsicher bist, lohnt sich ein Probemodell, z. B. aus günstigerem Material.
So kannst Du testen, bevor Du in Spitze oder feinen Tüll schneidest.
💛 Fazit: BH-Nähen heißt nicht, die richtige Zahl zu treffen, sondern die passende Form zu finden
Wenn Du Dessous nähst, verabschiede Dich von der Idee, eine feste BH-Größe zu haben. Stattdessen gilt:
- Vertraue dem Maßband, nicht dem Etikett
- Lass Dich nicht verunsichern, wenn Du bei einem Schnitt 80A und beim nächsten 75C bist
- Nutze Kreuzgrößen, Anpassungen und Deine Erfahrung
Der schönste BH ist nicht der mit der „richtigen“ Zahl, sondern der, der Dich im Alltag wirklich begleitet, weil er sitzt, stützt und sich gut anfühlt.
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Vielleicht ist genau das der kleine Aha-Moment, der Frust in Freude verwandelt.
FAQ
Warum trage ich beim Nähen eine andere BH-Größe als im Laden?
Weil Kauf-BHs und Schnittmuster nach völlig unterschiedlichen Systemen funktionieren.
Im Handel geht es um Standardisierung und Verkauf, beim Nähen um Passform und Maße. Deshalb ist es ganz normal, dass sich die Größen unterscheiden.
Ist meine Kauf-BH-Größe beim Nähen komplett egal?
Nicht ganz, sie kann ein grober Anhaltspunkt sein.
Verlässlich wird es aber erst, wenn Du mit Maßen und Maßtabellen arbeitest.
Warum habe ich bei verschiedenen Schnittmustern unterschiedliche Größen?
Weil jeder Hersteller
– eigene Maßtabellen nutzt
– unterschiedliche Bequemlichkeitszugaben einplant
– andere Cup-Konstruktionen verwendet
Das ist kein Fehler, sondern Teil des Systems.
Was sind Kreuzgrößen und brauche ich die wirklich?
Ja, sehr wahrscheinlich.
Kreuzgrößen helfen Dir, Band und Körbchen unabhängig voneinander anzupassen.
Das ist besonders praktisch, wenn ein Teil gut sitzt und das andere nicht.

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