5 Begriffe, die Du für das Dessous-Nähen kennen solltest

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5 Begriffe, die Du für das Dessous-Nähen kennen solltest

Es war längst nach Mitternacht.

Auf meinem Bildschirm waren ein halbes Dutzend Tabs offen. In jedem ein Shop für Dessous-Materialien. In meinem Warenkorb lag nichts.

Ich wollte einen BH nähen.

Auf der Materialliste standen Wörter, die für mich alle dasselbe bedeuten konnten. Powernet. Mesh. BH-Tüll.

Auf den Produktfotos sahen sie sich zum Verwechseln ähnlich. Alles netzartig. Alles elastisch. Alles hübsch.

Welches davon gibt Halt? Welches ist nur Optik? Ich wusste es nicht.

Irgendwann habe ich den Browser zugemacht. Ohne Bestellung.

Beim nächsten Anlauf habe ich es mir leichter gemacht und ein fertiges Materialset bestellt. Ich war das Suchen einfach leid.

Dann saß ich mit dem Maßband am Tisch und habe die Bänder einzeln nachgemessen. Breite, Länge, wie fest sie sich anfühlen. Nur um herauszufinden, was davon jetzt eigentlich was ist.

Das Material lag vor mir. Mir fehlten die Wörter dazu.

So geht es vielen am Anfang. Die Begriffe stehen zwischen Dir und dem Projekt, auf das Du Dich eigentlich freust.

Fünf davon begegnen Dir in fast jeder Dessous-Anleitung. Wenn Du die einmal einsortiert hast, liest sich der Rest auf einmal viel leichter.

Warum diese Begriffe so oft stolpern lassen

Beim Dessous-Nähen treffen zwei Dinge aufeinander, die es sonst selten zusammen gibt: sehr elastische Materialien und sehr kleine Teile. Deshalb hat sich eine eigene Sprache entwickelt. Für jedes Gummi, für jede Kante, für jede Stoffart gibt es einen eigenen Namen.

Das wirkt von außen abschreckender, als es ist. Tatsächlich beschreibt jeder dieser Begriffe nur eine ganz praktische Sache, die Du in der Hand halten kannst. Sobald Du das Material einmal gesehen und angefasst hast, sitzt das Wort.

Ich habe die wichtigsten Wörter deshalb in meinem Dessous-Glossar gesammelt. Dort kannst Du jederzeit nachschlagen, wenn Dir beim Nähen ein unbekannter Begriff begegnet. Hier schauen wir uns die fünf an, die Dir am häufigsten über den Weg laufen.

1. Falzgummi

Falzgummi ist ein weiches, elastisches Band mit einer Falzlinie in der Mitte. Es hat eine glänzende und eine mattere Seite. Du legst es einfach um die Stoffkante herum, so wie einen Umschlag, und nähst es in einem Arbeitsgang fest.

Das Ergebnis: eine saubere, gleichmäßige Kante, ohne dass Du vorher säumen oder versäubern musst.

Für den Einstieg ins Dessous-Nähen ist das mein Lieblingsmaterial. Du brauchst nur einen Zickzackstich, Du hast sofort ein schönes Ergebnis, und die Kante rollt sich nicht ein. Gerade bei einem ersten Slip nimmt Dir das enorm viel Unsicherheit.

Falzgummi bekommst Du in vielen Breiten. Für Slips sind 15 bis 20 mm ein guter Anfang.

67 Bild 1 Falzgummi

2. Pikotgummi

Pikotgummi ist das klassische Dessousgummi. Es ist flach und hat an einer Seite eine feine Bogenkante, die kleinen Schlaufen ähnelt. Diese Kante heißt Pikotkante, daher der Name.

Der Unterschied zum Falzgummi liegt in der Verarbeitung. Pikotgummi legst Du nicht um die Kante herum, sondern nähst es zuerst auf eine Seite auf, klappst es dann nach innen und steppst es ein zweites Mal fest. Zwei Arbeitsschritte statt einem.

Dafür sieht die Bogenkante sehr zart aus, und Du kennst sie von gekaufter Wäsche. Viele Schnittmuster geben Pikotgummi für Beinausschnitte und Träger an.

Beides ist richtig. Wenn Du Dir unsicher bist, starte mit Falzgummi und probiere Pikotgummi beim zweiten oder dritten Projekt aus. Du verlierst nichts dabei.

3. Zwickel

Der Zwickel ist das kleine zusätzliche Stoffteil im Schritt eines Slips. Meistens besteht er aus feiner Baumwolle, weil das hautfreundlich und atmungsaktiv ist.

In Schnittmustern findest Du ihn in zwei Varianten. Entweder ist er ein eigenes Teil, das Du zwischen Vorder- und Rückenteil einnähst. Oder er hängt am Vorderteil mit dran und wird umgeklappt.

Bei vielen Anleitungen wird der Zwickel so eingenäht, dass beide Nähte innen liegen und Du von außen keine Nahtzugabe siehst. Diese Technik wirkt beim ersten Lesen verwirrend, weil der Stoff dabei zusammengerollt wird. Wenn Du sie einmal mit einem Reststück durchgespielt hast, machst Du sie danach im Schlaf.

Falls Du hier hängen bleibst: Das geht fast allen so. Das liegt nicht an Dir, sondern daran, dass sich diese Bewegung schlecht in Worte fassen lässt.

4. Powernet

Powernet ist ein festes, netzartiges Material. Es dehnt sich hauptsächlich in eine Richtung und ist deutlich stabiler als Jersey oder Tüll.

Gebraucht wird es vor allem beim BH, meistens für das Rückenteil und zum Füttern des BHs.

Wichtig ist die Laufrichtung. Powernet muss so zugeschnitten werden, dass die dehnbare Richtung um den Körper herum verläuft. Wird es andersherum zugeschnitten, sitzt der BH nicht, egal wie sauber Du genäht hast.

Verwechseln lässt sich Powernet leicht mit weichem Mesh oder Tüll. Die sehen ähnlich aus, sind aber viel weicher und geben keinen Halt. Im Zweifel hilft der Griff: Powernet fühlt sich fester an und federt spürbar zurück.

67 Bild 2 Powernet

5. Bügelband

Beim Bügel-BH steckt der Bügel nicht einfach zwischen zwei Stofflagen. Er sitzt in einem eigenen kleinen Tunnel, und dieser Tunnel entsteht durch das Bügelband. Manche Anleitungen nennen es auch Bügeltunnel oder Bügelkanal, gemeint ist dasselbe.

Das Band ist schmal und bewusst kaum dehnbar. Es soll den Bügel führen und an seinem Platz halten. Du legst es flach auf die Bügelnaht und steppst es an beiden Längskanten fest. Der Tunnel entsteht dabei ganz von selbst.

Wenn Du das Band zum ersten Mal in der Hand hast, fallen Dir zwei Dinge auf:

  • Die beiden Seiten sind unterschiedlich. Eine Seite ist weich und plüschig, die andere etwas fester. Die plüschige Seite kommt zur Haut, die festere liegt am BH an. So reibt nichts, und der Bügel kann sich nicht unangenehm durchdrücken.
  • Das Band ist leicht gebogen. Es verläuft nicht schnurgerade, sondern hat eine sanfte Krümmung. Das ist Absicht, weil die Bügelnaht ja ebenfalls rund verläuft. Achte beim Annähen darauf, dass die Biegung in dieselbe Richtung zeigt wie Deine Naht. Dann legt sich das Band glatt an, ohne Wellen und ohne kleine Falten.

Ein Punkt ist dabei entscheidend: Die Enden des Tunnels müssen fest verschlossen sein. Sonst wandert der Bügel mit der Zeit heraus und stößt durch den Stoff. Das erledigst Du entweder mit mehrmaligem Übernähen oder mit kleinen Bügelendkappen.

Der Begriff begegnet Dir erst, wenn Du in Richtung Bügel-BH gehst. Kennen darfst Du ihn trotzdem schon vorher. Er nimmt dem Bügel-BH nämlich einen Teil seines Schreckens: Der Bügel wird nicht irgendwie eingebaut, sondern bekommt einfach ein sauberes Zuhause.

Falls Du gerade überlegst, ob ein Bügel für Dich überhaupt der richtige Weg ist, schau gern in meinen Artikel BH mit Bügel oder ohne Bügel: wann ist was besser. Dort gehe ich genauer darauf ein.

67 Bild 3 Buegelband

Was, wenn Dein Schnittmuster auf Englisch ist?

Viele der schönsten Dessous-Schnittmuster kommen aus dem englischsprachigen Raum. Die Begriffe sehen dort auf den ersten Blick völlig anders aus, meinen aber genau dasselbe:

DeutschEnglisch
Falzgummifold over elastic, oft abgekürzt FOE
Pikotgummipicot elastic
Zwickelgusset
Powernetpower net
Bügelbandchanneling, manchmal underwire casing

Sobald Du diese Paare einmal gesehen hast, liest sich eine englische Anleitung gleich viel ruhiger. Du erkennst die Materialien wieder, auch wenn der Name fremd klingt.

Eine größere Übersicht findest Du in Die wichtigsten Begriffe für das Dessous-Nähen: Deutsch und Englisch. Der Artikel lohnt sich besonders, wenn Du Dein erstes Schnittmuster aus den USA oder aus England genäht hast.

Mein Tipp

Lerne diese Begriffe nicht auf Vorrat.

Ich habe am Anfang versucht, erst alles zu verstehen und dann anzufangen. Das hat nicht funktioniert, weil die Wörter ohne Material in der Hand einfach leer bleiben.

Was viel besser klappt: Leg Dir eine kleine Materialkiste an. Ein Stück Falzgummi, ein Stück Pikotgummi, ein Rest Powernet, ein kurzes Stück Bügelband. Bestell beim nächsten Stoffkauf einfach von jedem etwas mit, auch wenn Du es noch nicht brauchst. Sobald Du die Sachen einmal angefasst hast, erkennst Du sie in jeder Anleitung sofort wieder.

Welche Materialien Du für den Anfang wirklich brauchst, habe ich in Material und Zubehör: Welche Stoffe Du wirklich brauchst zusammengestellt. Wenn Du ganz am Anfang stehst, ist auch 10 Dinge, die Du für den Start ins Dessous-Nähen brauchst ein guter erster Schritt.

Wenn Dir beim Nähen ein neues Wort begegnet, schlägst Du es genau dann nach. Ein Begriff nach dem anderen, immer im richtigen Moment.

Häufige Fragen zu den Begriffen beim Dessous-Nähen

Was ist der Unterschied zwischen Falzgummi und Pikotgummi?

Falzgummi wird um die Stoffkante gelegt und in einem Arbeitsgang festgenäht. Pikotgummi wird flach aufgenäht, nach innen geklappt und ein zweites Mal gesteppt. Falzgummi ist also schneller und einfacher, Pikotgummi sieht an der Kante zarter aus.

Kann ich Powernet durch normales Mesh ersetzen?

Nein, das funktioniert nicht. Weiches Mesh und Tüll sehen zwar ähnlich aus, sind aber viel nachgiebiger. Powernet gibt dem Rückenband seinen Halt, und genau der fehlt dann.

Braucht jeder Slip einen Zwickel aus Baumwolle?

Nötig ist es nicht, sinnvoll aber fast immer. Baumwolle ist hautfreundlich und atmungsaktiv. Bei Bademode wird stattdessen ein spezielles Futter für Bademode verwendet.

Was bedeutet „channeling“ in englischen Schnittmustern?

Channeling ist das englische Wort für Bügelband. Manche Anleitungen schreiben auch „underwire casing“. Gemeint ist immer der schmale Tunnel, in dem der Bügel sitzt.

Welche Begriffe sollte ich als Anfängerin zuerst lernen?

Fang mit den Materialien für Deinen ersten Slip an, also Falzgummi und Zwickel. Powernet und Bügelband brauchst Du erst, wenn Du einen BH nähst. Alles andere kannst Du nachschlagen, sobald es Dir begegnet.

Zum Schluss

Fünf Begriffe sind kein großes Wissenspaket. Sie sind eher wie fünf Wegweiser, die Dir zeigen, dass die Sprache des Dessous-Nähens gar nicht so fremd ist, wie sie beim ersten Lesen wirkt.

Du musst nicht alles wissen, bevor Du anfängst. Du brauchst nur genug, um den nächsten Satz in Deiner Anleitung zu verstehen. Den Rest lernst Du beim Nähen, Stück für Stück, so wie wir alle.

Welcher Begriff hat Dich beim Dessous-Nähen bisher am meisten ins Grübeln gebracht? Schreib es mir gerne in die Kommentare, ich sammle die Fragen und greife sie in einem der nächsten Artikel auf. 💕

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